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Autonomes Überholmanöver: Ein Realitätscheck

Im aktuellen ManagerMagazin wird die beeindruckende bisherige Geschichte von Einride beschrieben, ein Unternehmen, das ein Logistikkonzept basierend auf selbstfahrenden Robo-Trucks in Kombination mit Remote Operators als Rückfallebene bietet.

Warum nach unserer Einschätzung diverse Herausforderungen dazu führen, dass der breite Einsatz von autonomen Fahrzeugen aktuell jedoch noch einige Jahre entfernt ist, haben wir erst kürzlich in unserem Auto Newsletter Deutschland beschrieben.

Ambitionierte Zeitpläne für die Etablierung von autonomen Fahrzeugen haben sich immer wieder verschoben. Einst optimistische Vorhersagen einer schnellen Entwicklung zu hoch- beziehungsweise vollautomatisierten Fahrzeugen der Level 4 und 5 halten einem Realitätscheck nicht Stand. Vor allem folgende Gründe bremsen aktuell die Entwicklung: 

  1. Die Technologieentwicklung für Fahrzeuge, um hoch- beziehungsweise vollautomatisierte Fahrten im Mischverkehr auch bei höheren Geschwindigkeiten betriebssicher zu machen, dauert länger als von den Akteuren prognostiziert
     
  2. Zudem werden diese Fahrzeuge wahrscheinlich auf V2X-Infrastruktur wie intelligente Verkehrsmanagementsysteme und intelligente Ampeln angewiesen sein – V2X befindet sich aber erst im Teststadium (z.B. seit 2020 Changsha-Schnellstraße in China)
     
  3. In Deutschland, China und ausgewählten US-Bundesstaaten wurden regulatorische Rahmenbedingungen für die Erprobung fahrerloser Fahrzeuge auf Straßen bereits geschaffen. Eine Gesetzgebung, die eine Massenkommerzialisierung von Level 4 und 5 ermöglicht, ist aktuell aber noch nicht in Sicht
     
  4. Nachrichten über Todesfälle durch selbstfahrende Autos sind ein Rückschlag für eine Industrie, die verspricht, das Autofahren sicherer zu machen und beeinflussen damit die öffentliche Wahrnehmung. Laut AlixPartners Global Autonomous Vehicle Consumer Survey sind mehr als 70% der Verbraucher (Umfrage in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, China und USA) besorgt über Fehlfunktionen in der Soft- oder Hardware bei selbstfahrenden Fahrzeugen
     
  5. Hardware-Systemkosten für Level 4 und 5 für kleine Serien liegen rund 4,6x über der durchschnittlichen Zahlungsbereitschaft, bei zukünftig großen Serien immerhin noch rund 1,7x darüber
     
  6. Die zunehmende Dynamik in der Elektrifizierung der Antriebsstränge hat zur Umverteilung von Forschungs- und Entwicklungsbudgets geführt, um das Kerngeschäft „Automobil“ abzusichern.

Diese Herausforderungen führen dazu, dass der breite Einsatz von autonomen Fahrzeugen aktuell noch einige Jahre entfernt ist. Der kontrollierte Einsatz in wenigen kommerziellen Bereichen kann früher erwartet werden, wie es das Beispiel Einride zeigt. Deren bisheriger Erfolg liegt vor allem an der schrittweisen Markteinführung und Weiterentwicklung. Ihre Fahrzeuge dürfen nur über geschlossene Werksgelände und mit begrenzter Geschwindigkeit fahren, in einzelnen Ländern auch zu Testzwecken in Schrittgeschwindigkeit im öffentlichen Raum. Der Remote Operator greift im Bedarfsfall ein. Dadurch können aktuelle gesetzliche und technologische Einschränkungen für begrenzte Use Cases teilweise ausgeglichen und erste Kundengruppen gewonnen werden.  

Die Berater von AlixPartners jedenfalls schätzen den Markt für autonome Systeme im Jahr 2030 auf 61 Milliarden Euro.

Tags

auto, germany, automotive, autonomous vehicle

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